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Die Cloud kommt nicht!

1.06.2018 | Die Cloud kommt nicht!

Richtungen festlegen, Etappenziele bestimmen, die Kräfte einteilen – das sind drei strategische Aufgaben für die Unternehmensleitung und IT-Verantwortliche von Stadtwerken, um die ERP- und Billing-Systeme in die Daten-Landschaft der Zukunft zu bringen. Und wie bei einer alpinen Wanderung ist das Ziel meist im Blick. Doch die Planung für die Umsetzung entscheidet, ob, wann und in welcher Verfassung man ankommt. „Der Übergang in die Cloud ist ein Paradigmen-Wechsel“, betont Klaus Nitschke. Für den Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Cortility sind die in den nächsten Jahren anstehenden Veränderungen in der IT von Energieversorgern die grundlegendsten seit vor rund zwanzig Jahren die Liberalisierung die damalige EDV durcheinander würfelte. Dabei hat er jedoch weniger die technischen Veränderungen im Blick, an die viele beim Stichwort „Cloud“ denken. „Der Weg in die Cloud ist kein technisch-funktionaler Release-Wechsel, sondern ein Transformationsprojekt, das in die Geschäftsmodelle der Energieversorger eingreift“, fasst der Cortility-Chef die Bedeutung zusammen. Bisher sei es die Aufgabe gewesen, die IT-Systeme an die Geschäftsprozesse anzupassen – egal welche ERP- oder Billing-Lösung auch im Einsatz war. „Jetzt haben wir jedoch als wesentliche Aufgabe, die Unternehmen an die Prozesse in den Cloud-Systemen heranzuführen und sie zu unterstützen, ihre Geschäftsprozesse an diesen Rahmen anzupassen.“ Insgesamt würde sich dadurch der in der Energiewirtschaft bereits zu beobachtende Trend zur Prozessorientierung weiter verstärken.

Drei Gründe sprechen für die Cloud
Durch die zunehmende Bedrohung und die massiven Cyber-Angriffe steigt der Aufwand für die Sicherheit ihrer IT-Systeme und Daten massiv. Da sich durch Cloud-Computing der Schutz verbessern und das unternehmerische Risiko durch Verlagerung von Verantwortung verringern lässt, denken viele Unternehmen darüber nach, die Cloud zu nutzen. Ebenfalls wird die Cloud als Ausweg gesehen, um den stetig steigenden personellen und finanziellen Aufwand für die Pflege und den Betrieb der IT-Systeme zu deckeln. Viele energiewirtschaftliche IT-Lösungen basieren noch auf den Überlegungen und Strategien aus den Anfängen der Liberalisierung des Energiemarktes. „Sie sind in die Jahre gekommen und besonders die Billing-Systeme durch die unterschiedlichen Regulierungseingriffe sehr komplex geworden“, erläutert Nitschke den Hintergrund. Dazu komme, dass sich auch die technologischen Grundlagen in den rund 20 Jahren deutlich verändert haben.

Den dritten Pain-Point sieht der Geschäftsführer von cortility in den Veränderungen in Energiewirtschaft und im Kerngeschäft der Stadtwerke: „Die Energieversorger in Deutschland stehen durch die Digitalisierung vor kaum übersehbaren Veränderungen – noch weiß niemand, wo es hin geht und was passiert.“ Da ist die Flexibilität der IT-Systeme ein wichtiges Argument, um mit der IT für die Zukunft gerüstet zu sein. Denn ob die heute geplanten Kapazitäten und Anwendungen in fünf Jahren noch zum Geschäftsmodell und Markt passen, sei heute nicht sicher zu beantworten.

Die Roadmap als strategisches Instrument
„Wir bieten Stadtwerke an, sie beim Erarbeiten ihrer Roadmap in die Cloud zu unterstützen – denn ‚die‘ Roadmap, die für alle EVU gilt und von einem externen Berater einfach ausgerollt wird, gibt es nicht“, stellt Nitschke klar. Auch daher gleiche der Weg in die Cloud eher einer Wanderung als einer Reise. Die Kernfragen, die dabei zu beantworten sind lauten: „Welche Prozesse benötigen wir und wie kann uns die Cloud beim zukünftigen Wandel in der Energiewelt unterstützen?“ Und die Antworten darauf sind sehr unternehmensindividuell.

In der Roadmap werden sowohl nur der Weg und der erforderliche Zeitbedarf beschrieben, als auch Punkte definiert, an denen die eingeschlagene Richtung überprüft wird. Ebenso ist wichtig, dass die notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen in den unterschiedlichen Planungsphasen vom Unternehmen eingeplant und dann auch wirklich bereitgestellt werden. Dabei erfolgt eine Priorisierung der Aufgaben. „Kein EVU wird es schaffen, neben dem Tagesgeschäft auf einen Schlag die gesamte IT in die Cloud zu verlagern – das wäre aus unserer Sicht auch nicht sinnvoll, da dadurch wichtige Lern- und Optimierungs-Potenziale wegfallen würden“, erläutert der cortility-Chef.

Ein weiterer Bestandteil einer Roadmap ist, die drei Ziele „technologische Erneuerung“, „Berücksichtigung zukünftiger gesetzlichen Anforderung“ und „Realisierung von EVU-spezifischem Optimierungspotential“ abzustimmen. „Wir gehen davon aus, dass am Ende des Planungshorizonts in der Regel ein Hybrid-System steht, in dem zum Beispiel bei SAP-Anwendern Kernkomponenten unter SAP S/4 Hana auf dem System des EVU durch Cloud-Komponenten ergänzt werden,“ blickt Nitschke voraus. Damit werden sich die Agilität des Unternehmens und folglich auch die Wirtschaftlichkeit deutlich steigern.

 

Bildnachweis: Alexander Raths/Shutterstock.com



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