News

ERP und Billing in der Cloud: gut vorbereitet auf den Weg machen!

30.04.2018 | ERP und Billing in der Cloud: gut vorbereitet auf den Weg machen!

Lange Zeit war es für Energieversorger undenkbar, die Unternehmenssteuerung, das Rechnungswesen und die Abrechnung jenseits von eigenen Servern oder eng verbundenen Rechenzentren laufen zu lassen. Doch die drei Herausforderungen „Sicherheit“, „Kosten“ und „Flexibilität“ haben den Druck auf die Unternehmens-IT so stark erhöht, dass für viele IT-Verantwortliche die Auslagerung von Kernprozessen und Daten in die Cloud mittlerweile als Lösung für die Zukunft akzeptiert ist. Der Weg in die neue IT-Landschaft ist jedoch lang und teilweise anstrengend. „Der Übergang in die Cloud ist ein Paradigmen-Wechsel“, hebt Klaus Nitschke hervor. Der Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Cortility hat bei dieser Feststellung allerdings weniger die technischen Veränderungen im Blick: „Bisher war die Aufgabe die IT-Systeme an die Kundenprozesse anzupassen – egal welche ERP- oder Billing-Lösung man auch im Einsatz hatte.“ Jetzt sieht er jedoch als die wesentliche Aufgabe, die Kunden an die Prozesse in den Cloud-Systemen heranzuführen. „Der Weg in die Cloud ist kein technisch-funktionaler Release-Wechsel, sondern ein Transformationsprojekt, das in die Geschäftsmodelle der Energieversorger eingreift“, fasst der Cortility-Chef die Bedeutung zusammen.

Drei Treiber führen in die Cloud
Vordergründig sorgen die Entwicklungen bei den Software-Lieferanten dafür, dass Energieversorger mittel- bis langfristig ihre IT oder zumindest wesentliche Teile der Datenverarbeitung in die Cloud überführen. So stellt beispielsweise SAP ERP-Systeme und Branchenlösungen nach und nach auf Cloud-Services um. Die Energiewirtschafts-Lösung IS-U gehört dabei jedoch eher zu den Nachzüglern. „Absehbar und angekündigt ist jedoch, dass auch die Funktionalitäten von IS-U bald im Rahmen einer Cloud-Lösung angeboten werden und das klassische Modell langfristig ausläuft,“ sagt Nitschke. Zugleich betont er: „IS-U in der heutigen Form wird den deutschen EVU aber noch lange zur Verfügung stehen – die Planungen von SAP zwingen mittelfristig niemanden in ein anderes System.“

Vielmehr seien es die Rahmenbedingungen in den Unternehmen, die den Trend in die Cloud bestimmen. „Mittlerweile erkennen viele Unternehmen, dass der Aufwand für die Sicherheit ihrer IT-Systeme und Daten massiv steigt. Durch Cloud-Computing lässt sich der Schutz verbessern und das unternehmerische Risiko durch Verlagerung von Verantwortung verringern“, so Nitschke. Da der Markt in Deutschland auch vor kaum übersehbaren Veränderungen für Energieversorger stehe, könne auch die Flexibilität der IT-Systeme ein wichtiges Argument sein. Und nicht zuletzt, werde der Weg in die Cloud durch die Kostenentwicklung vorgegeben – die in die Jahre gekommenen und durch die unterschiedlichen Regulierungseingriffe sehr komplexen Billing-Systeme würden in Zukunft zu stetig steigendem zeitlichem und finanziellen Aufwand führen.

„Auch wenn es sich bei diesen drei Treibern um scheinbar technisch basierte Auslöser handelt, ist es falsch, den Weg in die Cloud als eine Umstellung der Technik zu verstehen – entscheidend ist, dass es teilweise zu völlig veränderten Prozessen im Unternehmen führen wird“, erklärt der IT-Experte. Auch gäbe es viele individuell abweichende Wege in die Cloud – daher sei es eine strategische Aufgabe der Unternehmensentwicklung. Insgesamt würde sich dabei der Trend zur Prozessorientierung verstärken. An zentraler Stelle stünde aus Sicht von Cortility, welche Prozesse in Zukunft überhaupt benötigt würden. Beim Weg in die Cloud ist diese –grundsätzlich vor jedem IT-Projekt sinnvolle – Frage besonders wichtig. „Wer erst nach der Transformation in die Cloud die Prozesse optimiert, Ballast über Bord wirft oder mit der Bereinigung von Datensätzen beginnt, verbrennt Geld“, stellt Nitschke fest. Um kosteneffizient in der Cloud zu arbeiten, sei wichtig, nur das mitzunehmen, was auch benötigt wird. Auch helfe eine Priorisierung, den schwierigen Weg in dieZiellandschaft in angemessener Zeit mit dem vorhandenen Personal gehen zu können.

Die Lösung ist individuell
„Auf der E-World 2018 wurden wir häufig nach der Roadmap für den Weg in die Cloud gefragt“, berichtet der Cortility-Geschäftsführer. „Doch ‚die‘ Roadmap gibt es nach unserer Einschätzung nicht.“ Vielmehr müsse jedes Unternehmen für sich die Etappen und Meilensteine definieren sowie den Zeitrahmen bestimmen. Aus Sicht von Cortility ist ein dreistufiges Vorgehen sinnvoll: Zuerst werden im Rahmen der Voruntersuchungen Antworten auf die sieben wesentlichen Fragen (siehe Kasten) gefunden. Anschließend entwickeln Unternehmensführung, IT, Fachabteilungen und externe Berater die individuelle Roadmap in die Cloud. Hierin werden nicht nur der Weg und der erforderliche Zeitbedarf beschrieben, sondern auch Punkte definiert, an denen die eingeschlagene Richtung überprüft wird. Als letztes folgt die neue IT-Strategie, die die zukünftige Struktur der IT-Systeme für ERP und Billing festschreibt.

Welche Anwendungen dabei zuerst in die Cloud überführt werden oder ob man sogar einen sogenannten Greenfield-Ansatz wählt, also im übertragenen Sinn auf einer grünen Wiese bei null anfängt, hängt von den unternehmerischen Zielen des Energieversorgers ebenso ab, wie von Struktur und Pflegegrad der bestehenden IT-Systeme.

 

Bildnachweis: Alexander Raths/Shutterstock.com